Das Haus Lindwurm stammt aus dem Mittelalter. Damals hatten die Häuser keine Nummern, sondern Namen: Lindwurm ist ein altertümliches Wort für Drache.

Es wurde im 13. Jahrhundert errichtet und ist somit eines der ältesten Gebäude der Stadt. Die Eichenbalken der Kellerdecke sind dendro-chronologisch auf 1279 datiert. Der erste schriftliche Beleg für das Wohnhaus stammt erst von 1398.

Im 16. Jahrhundert erhält das Gebäude sein heutiges Volumen. Vermutlich im Jahr 1571 werden zwei einzeilige Häuser zusammen-gefasst und um ein Geschoss erhöht. Die Besitzer gehören mehrheitlich der städtischen Oberschicht an. Im 17. und 18. Jahrhundert sind es die Ratsherrenfamilien Winz und Etzweiler. 1819/20 entsteht die Fassade im modernen Empire-Stil. Damaliger Besitzer ist Johann Conrad Arbenz, der reichste Bürger Steins.

1712 wird das Hinterhaus als Stall und Wirtschaftsgebäude errichtet. Der Bau hat sich bis heute kaum verändert.

Ein Innenhof mit den in Stein am Rhein typischen Laubengängen verbindet Vorder- und Hinterhaus.

Nachdem Jakob und Emma Windler das Haus geerbt haben, wird es 1947/48 durch den Architekten Wolfgang Müller umgebaut. Anfang der 1990er Jahre erfolgt die Umwandlung in das Museum Lindwurm. Es wird 1993 eröffnet.

Das Haus und seine letzten Besitzer 

Robert Gnehm (1852-1926)

Gnehm war ein sehr erfolgreicher Chemiker und bekleidete wichtige Führungspositionen in der chemischen Industrie: bei Bindschedler und Busch, Ciba und Sandoz. Ausserdem war er Professor am Eidgenössischen Polytechnikum, der späteren ETH. Er spielte eine herausragende Rolle als Vermittler zwischen Hochschule und Industrie. Frau und Sohn verstarben früh. Seiner Tochter Marie (1883-1944), einer ausgebildeten Ärztin, hinterliess Gnehm sein Vermögen, u.a. Sandoz-Aktien und das Haus Lindwurm.

Jakob Windler (1885-1975) und
Emma Windler (1891-1988)

Die Geschwister Jakob und Emma Windler erben von ihre Cousine Marie das Haus Lindwurm und einen Teil der Aktien. Sie stammen aus einer ehemals wohlhabenden Familie von Kornhändlern und Bäckern, die Ende des 19. Jahrhunderts verarmt ist.

Jetzt aber können sie in das repräsentative Stadthaus einziehen. Insbesondere für Emma Windler geht ein Traum in Erfüllung.
Das Geschwisterpaar begründet 1972 die Jakob und Emma Windler-Stiftung. Nach ihrem Tod wird die Stiftung ihr gesamtes Vermögen erhalten. Sie ist heute Träger des Museums Lindwurm.

Literatur: Adrian Knoepfli, Robert Gnehm. Brückenbauer zwischen Hochschule und Industrie, Zürich 2014.